Lufthansa

Das erste Beispiel, wie man mit geschickter Darstellung einen Sachverhalt dramatisieren kann, ist relativ aktuell.

Am 17. Februar 2010 schrieb der Spiegel im Rahmen des geplanten abgesagten Pilotenstreiks bei der Lufthansa:

Damals wollte der gelernte Ingenieur genau verstehen, wie knapp in der Luftfahrtbranche kalkuliert wird. Also bat er einen Controller auszurechnen, welche schlimmen Dinge passieren müssten, damit das Konzernergebnis um eine Milliarde Euro abnimmt. „Gar nicht viel“, antwortete der. Es reiche schon, wenn im Schnitt pro Flug vier Passagiere weniger an Bord wären.

Der „gelernte Ingenieur“ ist Lufthansavorstand Wolfgang Mayrhuber, und wie knapp in der Luftfahrtbranche wirklich kalkuliert wird, wollen wir uns mit Hilfe eines Spiegel-Artikels ansehen, der zwei Tage später erschien und folgendes berichtete:

Im Schnitt absolviert die Lufthansa inklusive ihrer Regionalflieger rund 1800 Flüge am Tag. […] Im Schnitt zählt die Lufthansa jeden Tag rund 150.000 Fluggäste.

Wären nun pro Flug vier Passagiere weniger an Bord, hätte die Lufthansa 1800 * 4 = 7200 weniger Passagiere am Tag. Hochgerechnet auf ein Jahr bedeutet dies 7200 * 365 = 2628000. Lufthansa befördert derzeit knapp 55 Millionen Passagiere pro Jahr. Ein Rückgang von mehr als 2,5 Millionen bedeutet also fast 5% weniger Passagiere im Jahr. Dies mag ebenfalls nicht viel sein, um das „Konzernergebnis“ um eine Milliarde Euro zu schrumpfen, aber es klingt schon nach wesentlich mehr, als uns das Bild von vier Leuten in einem riesigen Flugzeug glauben machen will.

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