Welt des Sports I

Michael Skibbe ist der erfolgreichste Fußballtrainer der Welt. Durch den großartigen 2:1-Erfolg über Bayern München ist Eintracht Frankfurt nun seit dem 27. Spieltag ungeschlagen, Eintracht Frankfurt holte in einem Spiel drei Punkte. Rechnet man diese Bilanz auf eine Saison hoch, kommt man auf 102 Punkte. Das hätte im Vorjahr (und in allen anderen Jahren seit Einführung der drei-Punkte-Regel) zur Meisterschaft gereicht! 3,00 Punkte pro Spiel – so erfolgreich war in der gesamten Geschichte des Fußballsports noch kein Trainer.

Natürlich ist diese „Berechnung“ unsinnig. Die BILD-Zeitung stellte vorgestern aber eine ganz ähnliche Berechnung an und behauptete unter der fantastischen Überschrift „Statistik beweist“, Christian Gross wäre der erfolgreichste Stuttgarter Trainer aller Zeiten:

In zwölf Spielen holte er 26 Punkte, also im Schnitt 2,17 Zähler pro Partie. Rechnet man diese Bilanz auf eine Saison hoch, kommt man auf 73 Punkte. Das hätte im Vorjahr zur Meisterschaft gereicht… 2,17 Punkte pro Spiel – so erfolgreich war in der 47-jährigen Bundesliga-Gesichte (sic!) des VfB keiner seiner Vorgänger.

Laut BILD ist Gross damit erfolgreicher als seine Vorgänger Matthias Sammer, der 1,71 Punkte pro Spiel holte, Felix Magath (1,67), Markus Babbel (1,66) und Armin Veh (1,63), der Stuttgart zu seiner bisher letzten Meisterschaft führte.

Nun kann man Fußball als ein Glücksspiel wie Würfeln betrachten, dessen drei mögliche Ergebnisse Sieg, Unentschieden und Niederlage allein vom Zufall abhängen (und Untersuchungen legen nahe, dass genau das der Fall ist).
Um Aussagen über mögliche Gesetzmäßigkeiten der Ergebnisse zu machen, sind dann vor allem hinreichend häufige Wiederholungen notwendig. Christian Gross ist jedoch erst seit zwölf Spielen Trainer des VfB Stuttgart und hat in dieser Zeit acht Spiele gewonnen. Analog zum Würfeln bedeutet dies, Gross hat in zwölf Würfen achtmal die Augenzahl 5 oder 6 geworfen, was allenfalls eine kleine Glückssträhne sein mag, aber sicher noch keine Sensation ist.  Kurz gesagt: zwölfmal würfeln liefert uns noch kein allzu genaues Bild von der Verteilung der Wahrscheinlichkeiten. Anders liegt der Fall bei Gross´ Vorgängern:

  • Matthias Sammer war 34 Spiele Trainer des VfB Stuttgart und erlangte dabei 17 Siege
  • Markus Babbel, 35 Spiele, 16 Siege
  • Armin Veh, 96 Spiele, 46 Siege
  • Felix Magath, 113 Spiele, 52 Siege

Sammer und Babbel haben fast dreimal mehr Spiele auf der Trainerbank des VfB verbracht als Gross, Veh achtmal mehr und Magath sogar gut neunmal mehr. Bei allen zeigt sich, dass die Anzahl der Siege in Relation zur Gesamtzahl der Spiele ungefähr 0,5 beträgt. Gross´ Reaktion auf den „Beweis“ der BILD lautet daher völlig zu Recht:

Oh, Gott, ich bin doch gerade erst hier angekommen.

Vergleicht man übrigens Gross´ Bilanz mit den Ergebnissen anderer Trainer über den gleichen Zeitraum, war Armin Veh erfolgreicher als Gross. Er erreichte 2007 saisonübergreifend in zwölf Spielen 27 Punkte.
Jogi Löw holte in der Saison 1996/1997 in den ersten zwölf Spielen ebenfalls 27 Punkte.

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